Der fränkische Dialektbarte aus Marktbreit, der auch als Ritter Hatz von Hatzenstein unterwegs ist, begeistert mit seinen Rabenliedern, in Willanzheim jedoch mit seinem Liederbuch zum Mitsingen in extra großer Schrift. Manchem der Gäste fiel jedoch bei den ersten Anschlägen der Laute sofort der Text wieder ein, wie er in der Jugendzeit einst geübt und gesungen worden war.
In der von der Kreisheimatpflege geförderten Veranstaltung sollte das Wirtshaussingen aus alter Zeit wieder lebendig werden. Und es wurde an diesem Abend so lebendig im Hirschen-Saal, dass eigentlich keiner der rund 50 Gäste der Erste sein wollte, der auch nur ans Aufhören dachte. Der Barde blätterte in seinem Liederbuch jedes Stück auf, das sich die Gäste wünschten, stimmte an und hatte die Mitsänger sofort auf seiner Seite, bei der stimmgewaltigen Erscheinung kein Wunder. Die Beiträge standen indes nicht alleine im Raum. Zu jedem Volkslied oder Liedertext hatte Bulitta ein Geschichtchen parat, gab Witze zum Besten und leitete durch das Abendprogramm, dass es einem Moderator zur Ehre gereicht hätte.
Bulitta ist ein Allround-Talent. er hat sich vor einigen Jahren auf die Unterhaltung spezialisiert, seitdem tritt er als Minnesänger, Wirtshaussinger oder Zauberer auf. Er hat auch eine mittelalterliche Liedersammlung vertont und als Rabenlieder veröffentlicht. `Er hat nicht nur flotte Sprüche auf Lager, er verfügt auch über ein enormes Hintergrundwissen`, bescheinigte Chorleiter Karl-Heinz Wolpert.
Die SV-Sänger erfuhren zum Beispiel, dass das Lied von den Königskindern zwar aus dem Mittelalter stammt, die Melodie jedoch neueren Datums - vermutlich aus der Renaissance -sein dürfte. Ein vorgetragenes Lied aus der Zeit des Minnesangs und Walther von der Vogelweyde bestätigte die Aussage: die damals gesungenen Melodien waren für die heutigen Hörgewohnheiten eher als langweilig anzusehen.
Tradition macht Spaß
Wenn man früher im Wirtshaus zu Festen oder am Abend zu einem Glas Bier zusammenkam, wurde meist spontan und ungezwungen damit begonnen, ortstypische Lieder zu singen. Dieser Brauch ist im Laufe der Zeit jedoch in Vergessenheit geraten. `Diese Tradition wird aber wieder belebt, weil die Leute daran Spaß haben`, sagte Wolpert, als Hatz von Hatzenstein zu später Stunde seine Utensilien zusammenpackte und auch aus seiner Sicht von einem unterhaltsamen und interessanten Abend sprach. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen. *bag*